Formen der Dystonie
Fokale Formen
der Dystonie
Die häufigste
Form der Dystonie ist die fokale Dystonie. Sie tritt hauptsächlich
im Erwachsenen- alter auf. Fokal heisst, dass jeweils ein einzelner, abgegrenzter
Bereich des Körpers betroffen ist. Es handelt sich um
zervikale
Dystonie, Torticollis
(Schiefhals)
Blepharospasmus (Lidkrampf)
Meige-Syndrom
Oromandibuläre
Dystonie
(Mund-, Zungen-, Schlundkrampf)
Spasmodische
Dysphonie (Stimmbandkrampf)
Gliederdystonie
(Schreibkrampf,
Fussdystonie, Musikerdystonie) Bei fokalen Dystonien in zwei benachbarten
Körperregionen (z.B. Schiefhals sowie Mund-, Zungen-, Schlundkrampf)
spricht man von segmentaler Dystonie. Multifokal wird eine Dystonie genannt,
wenn zwei oder mehrere nicht benachbarte Körperregionen betroffen
sind (z.B. Schreibkrampf und Lidkrampf).
Andere Formen der Dystonie
Im Gegensatz
zu den fokalen Dystonien stehen die Erscheinungsformen, die weite Bereiche
des Körpers erfassen
Hemidystonie
Torsionsdystonie
Generalisierte
Dystonie
dopa-responsive
Dystonie
tardive
Dystonie
Bei der Hemidystonie
sind die Muskeln einer Körperhälfte betroffen. Bei der Torsionsdystonie
kommt es zu Verdrehungen im ganzen Rumpfbereich. Sie ist sehr ähnlich
der generalisierten Dystonie, bei der Muskelverkrampfungen in vielen Bereichen
des Körpers gleichzeitig auftreten.
Rolle der Gene
Botulinumtoxin
Literatur
Lexikon A - Z
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Symptome
| Ursache |
Diagnose |
Behandlung
Tardive Dystonie
Symptome
Die Tardive Dystonie (tardiv = spät)
zählt zu den tardiven Spätdyskinesien. Es handelt sich um dystone
Bewegungsstörungen, die sich auf der Basis bestimmter medikamentöser
Behandlungen entwickeln, aber erst längere Zeit nach Behandlungsbeginn
äußern. Die Symptome von tardiven Dystonien umfassen den gesamten
Bereich aller dystonen Bewegungsstörungen. Sie können demnach an
verschiedenen Körperregionen - auch kombiniert - auftreten und sehr unterschiedlich
stark ausgeprägt sein. Häufig betreffen medikamentös verursachte
tardive Dystonien die Mundregion (siehe auch oromandibuläre Dystonien)
mit ständigem Bewegen der Lippen und Wangenmuskeln, einem unfreiwilligen
Mundschluss mit erschwertem Mundöffnen oder Beißbewegungen. Tardive
Dystonien können auch als Zervikale Dystonien, Rumpf- oder Gliederdystonien
auftreten. Die verschiedenen Symptome sind je nach Ausprägungsart und
betroffener Körperregion unterschiedlich belastend. Tardive Dystonien
verlaufen nicht nach einem vorgezeichneten Schema: die Bewegungsstörungen
können vorübergehender Natur sein, sie können immer mal wieder
auftreten oder auch bleibenden Charakter haben. Die unterschiedlichen Verlaufsformen
haben nicht unbedingt etwas damit zu tun, ob das verursachende Medikament weiter
eingenommen wird oder nicht, obgleich das Absetzen eines solchen Präparates
- wenn es denn überhaupt möglich ist - zumindest nach einer gewissen
Zeit häufig zu einer Besserung der Symptomatik führt.
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Ursache
Vor allem die "klassischen" Neuroleptika,
die in den 1950er Jahren in die Therapie der Schizophrenie eingeführt
wurden, können die Entwicklung einer tardiven Dystonie oder anderer Spätdyskinesien
verursachen. Bei dieser Substanzgruppe handelt es sich um sogenannte Psychopharmaka,
die im zentralen Nervensystem die Rezeptoren (Empfängerstrukturen) für
den Neurotransmitter Dopamin (Botenstoff) blockieren. Vereinfacht ausgedrückt,
kann ein permanent herrschender Dopaminmangel im Gehirn tardive Dystonien aus
lösen. Auch zentralnervös stimulierende Substanzen (Aufputschmittel)
beeinflussen das Dopaminsystem und können Verursacher dieser Dystonieform
sein. Auslöser einer tardiven Dystonie können auch Antiemetika (z.B.
Paspertin) sein. Sehr viel seltener sind auch bestimmte Antiepileptika (Medikamente
gegen epileptische Anfälle), Antihistaminika (Medikamente gegen allergische
Reaktionen), Antidepressiva (Stimmungsaufheller), Benzodiazepine (Angstlöser),
Steroide (Entzündungshemmer) oder auch die "Pille" (Antikonzeptiva)
verantwortlich zu machen, aber alle diese Substanzen zählen im Zusammenhang
mit der Tardiven Dystonie zu absoluten Raritäten.
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Diagnose
Tardive Dystonien treten im Allgemeinen
in einem Zeitraum von Monaten bis Jahren nach Beginn der Behandlung mit dem
verursachenden Medikament auf, obgleich erste Symptome einer tardiven Dystonie
auch schon nach wenigen Tagen beobachtet wurden. Die Wahrscheinlichkeit des
Auftretens dystoner Bewegungsstörungen unterliegt bei Neuroleptika-Gabe
einer Substanzanhäufung über die Zeit, das heißt: je länger
ein Patient mit einem solchen Medikament behandelt wird und je mehr Gesamtdosis
er über Monate und Jahre einnimmt, desto eher entwickelt sich eine tardive
Dystonie. Mitunter treten die dystonen Bewegungsstörungen auch erst auf,
wenn das verantwortliche Medikament gar nicht mehr eingenommen wird. Das heißt
jedoch nicht, dass die erneute Behandlung mit diesem Medikament die dystone
Symptomatik erfolgreich verdrängen könnte. Ein erhöhtes Risiko,
an einer tardiven Dystonie zu erkranken, haben natürlich in erster Linie
Patienten, die mit Neuroleptika behandelt werden, aber auch ältere Menschen
und Menschen die bereits an bestimmten Gemütskrankheiten oder an einem
durch Medikamente ausgelösten Parkinson-Syndrom leiden. Diagnostisch auszuschließen
ist die Kupferspeicherkrankheit (Wilson-Krankheit), eine Chorea Huntington-Erkrankung
und früh, d.h. innerhalb weniger Stunden oder Tage, durch Medikamente
ausgelöste Dystonien.
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Behandlung
Auch wenn das Absetzen des verantwortlichen
Medikamentes - immer nur in Absprache mit dem behandelnden Arzt! - nach und
nach in manchen Fällen zu einer Besserung oder auch dem völligen
Verschwinden der Symptomatik führen kann, ist diese Möglichkeit vielen
Betroffenen verschlossen, weil sie auf die Behandlung mit einem Psychopharmaka
aus anderen Gründen angewiesen sind. Eine Alternative mag in diesen Fällen
das Umstellen von einem "klassischen" auf ein sog. "atypisches"
Neuroleptikum sein. Ansonsten entsprechen die therapeutischen Möglichkeiten
denen der anderen Dystonieformen, je nach dem, welche Körperregion betroffen
ist.
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