Formen der Dystonie
Fokale Formen
der Dystonie
Die häufigste
Form der Dystonie ist die fokale Dystonie. Sie tritt hauptsächlich
im Erwachsenen- alter auf. Fokal heisst, dass jeweils ein einzelner, abgegrenzter
Bereich des Körpers betroffen ist. Es handelt sich um
zervikale
Dystonie, Torticollis
(Schiefhals)
Blepharospasmus (Lidkrampf)
Meige-Syndrom
Oromandibuläre
Dystonie
(Mund-, Zungen-, Schlundkrampf)
Spasmodische
Dysphonie (Stimmbandkrampf)
Gliederdystonie
(Schreibkrampf,
Fussdystonie, Musikerdystonie) Bei fokalen Dystonien in zwei benachbarten
Körperregionen (z.B. Schiefhals sowie Mund-, Zungen-, Schlundkrampf)
spricht man von segmentaler Dystonie. Multifokal wird eine Dystonie genannt,
wenn zwei oder mehrere nicht benachbarte Körperregionen betroffen
sind (z.B. Schreibkrampf und Lidkrampf).
Andere Formen der Dystonie
Im Gegensatz
zu den fokalen Dystonien stehen die Erscheinungsformen, die weite Bereiche
des Körpers erfassen
Hemidystonie
Torsionsdystonie
Generalisierte
Dystonie
dopa-responsive
Dystonie
tardive
Dystonie
Bei der Hemidystonie
sind die Muskeln einer Körperhälfte betroffen. Bei der Torsionsdystonie
kommt es zu Verdrehungen im ganzen Rumpfbereich. Sie ist sehr ähnlich
der generalisierten Dystonie, bei der Muskelverkrampfungen in vielen Bereichen
des Körpers gleichzeitig auftreten.
Rolle der Gene
Botulinumtoxin
Literatur
Lexikon A - Z
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Symptome
| Ursache
| Diagnose |
Behandlung
Generalisierte Dystonie
Sie ist siebzehn. Sie kann nicht
stehen. Sie kann nicht gehen. Sie sitzt im Rollstuhl. Sie steuert ihn durch
alle Kurven. Auch wenn die Hand nicht schreiben kann, ihre Stimme nicht zu
verstehen ist, Ihr Sprachcomputer setzt um, was sie denkt. Als Klügste
ihrer Klasse ist sie als Klassensprecherin gewählt. Trotz ihrer generalisierten
Dystonie. Ihr Lebensmut ist ungebrochen.
Symptome
Eine Dystonie, die den gesamten Körper
betrifft, nennt man generalisierte Dystonie. In den meisten Fällen beginnt
sie im Kindesalter örtlich begrenzt auf Fuß oder Hand. Ist als Erstes
die Hand betroffen, kann sich die Dystonie zunächst nur beim Schreiben
während der ersten Schuljahre bemerkbar machen. Eine als Fußdystonie
beginnende generalisierte Dystonie wird häufig gar nicht bemerkt. Im weiteren
Verlauf werden die dystonen Bewegungsstörungen nicht nur durch bestimmte
Aktionen wie Schreiben oder Gehen ausgelöst, sondern treten auch in Ruhe
auf. Nach und nach breitet sich eine generalisierte Dystonie über benachbarte
Körperregionen aus und kann letztlich den gesamten Körper betreffen.
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Ursache
Es gibt primäre bzw. idiopathische
Formen der generalisierten Dystonie, die ohne erkennbare Ursache entstehen.
Als sekundär werden jene ca. 45 % der Fälle bezeichnet, die sich
auf der Basis einer bestimmten Grunderkrankung entwickeln. Die Liste der möglichen
Verursacher ist lang und umfasst viele seltene neurologische Erkrankungen.
Warum es zum Auftreten von primären generalisierten Dystonien kommt, ist
noch nicht klar. Viele Befunde sprechen dafür, dass es sich um eine spezielle
Funktionsstörung im Gehirn handelt, die sich auf die Bewegungsabläufe
auswirkt. Alle Bewegungen, die der Mensch ausführt, werden von den sog.
Basal- oder Stammganglien gesteuert. Dieses Steuerungssystem heißt extrapyramidales
System. Weltweit sind Kliniken und Forschungszentren bemüht, zu
klären, was speziell in diesem System bei einer Dystonie gestört
ist.
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Diagnose
Den Ausschlag für die Diagnose einer
Dystonie gibt das Erkennen von bestimmten Bewegungsmustern. Wenn Beine, Rumpf
und Arme von den unwillkürlichen Verkrampfungen betroffen sind, wird von
einer generalisierten Dystonie gesprochen. Tritt eine zunächst
örtlich begrenzte Dystonie im Kindes- und Jugendalter auf, entwickeln
50 % der Betroffenen eine generalisierte Dystonie. Das Stellen einer exakten
Diagnose ist im Kindesalter besonders wichtig, da versäumte oder falsche
Behandlungen oftmals schwerwiegende Langzeitfolgen haben. Da es so viele verschiedene
Ursachen gibt, die eine sekundäre Dystonie im Kindes- und Jugendalter
auslösen können, ist auch die Anzahl der diagnostischen Untersuchungen
vielfältig. Mit der Computer- und Kernspintomographie lassen sich strukturelle
Veränderungen des Gehirns beurteilen und z.B. Blutgerinsel entdecken.
Viele Blut- und Harnuntersuchungen in Speziallabors sind notwendig, um spezielle
Stoffwechselerkrankungen zu erkennen. Mitunter besteht auch die Notwendigkeit
zur Gewebeentnahme aus Muskel oder Leber. Das Auftreten dystoner Bewegungsmuster
erfordert auch die Abgrenzung von anderen Bewegungsstörungen. Bei Kindern
und Jugendlichen mit Verdacht auf eine generalisierte Dystonie dürfen
insbesondere ein Morbus Wilson (Kupferstoffwechselstörung) und eine Dopa-Responsive-Dystonie
(Segawa-Syndrom) nicht übersehen werden. Beide Erkrankungen sind gut zu
behandeln.
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Behandlung
Allgemein gültige Behandlungsrichtlinien
für Patienten mit generalisierter Dystonie gibt es nicht. Die Injektionstherapie
mit Botulinumtoxin ist nicht unbedingt das Mittel der Wahl, aber Jüngeren
sollte ein solcher Therapieversuch nicht vorenthalten werden, wenn die Chance
besteht, die Beschwerden zumindest in einem umschriebenen Bereich sinnvoll
zu lindern. Dies gilt z.B. für Muskelverkrampfungen, die den Kopf nach
hinten ziehen. Der Einsatz von Botulinumtoxin bei generalisierten Dystonien
ist deshalb problematisch, weil mit der Höchstdosis pro Behandlung immer
nur ein begrenzter Teil der Bewegungsstörungen zu beeinflussen ist. Von
einer Therapie mit L-Dopa profitieren Patienten mit Segawa-Syndrom und auch
Parkinsonpatienten, die nicht selten zusätzlich eine Dystonie entwickeln.
Eine hochdosierte Anticholinergika-Therapie (Substanzen, mit denen die Wirkung
des Acetylcholins zu hemmen ist) kann besonders bei jugendlichen Patienten
mit primärer generalisierter Dystonie erwogen werden. Etwa die Hälfte
der Jugendlichen profitiert davon, oft allerdings erst nach längerer Einnahmezeit.
Hilfreich können auch Medikamente wie z.B. Baclofen, Antiepileptika und
Benzodiazepine, sein. Neuroleptika sind nicht geeignet. Unterstützende
Maßnahmen Krankengymnastik, Entspannungsübungen und orthopädische
Maßnahmen können ebenfalls lindernd wirken. Operationen helfen
nur sehr wenigen Betroffenen. Welche Rolle in Zukunft das noch recht neue Verfahren
der Tiefenhirnstimulation spielen wird, kann derzeit noch nicht abgeschätzt
werden.
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