Formen der Dystonie
Fokale Formen
der Dystonie
Die häufigste
Form der Dystonie ist die fokale Dystonie. Sie tritt hauptsächlich
im Erwachsenen- alter auf. Fokal heisst, dass jeweils ein einzelner, abgegrenzter
Bereich des Körpers betroffen ist. Es handelt sich um
zervikale
Dystonie, Torticollis
(Schiefhals)
Blepharospasmus (Lidkrampf)
Meige-Syndrom
Oromandibuläre
Dystonie
(Mund-, Zungen-, Schlundkrampf)
Spasmodische
Dysphonie (Stimmbandkrampf)
Gliederdystonie
(Schreibkrampf,
Fussdystonie, Musikerdystonie) Bei fokalen Dystonien in zwei benachbarten
Körperregionen (z.B. Schiefhals sowie Mund-, Zungen-, Schlundkrampf)
spricht man von segmentaler Dystonie. Multifokal wird eine Dystonie genannt,
wenn zwei oder mehrere nicht benachbarte Körperregionen betroffen
sind (z.B. Schreibkrampf und Lidkrampf).
Andere Formen der Dystonie
Im Gegensatz
zu den fokalen Dystonien stehen die Erscheinungsformen, die weite Bereiche
des Körpers erfassen
Hemidystonie
Torsionsdystonie
Generalisierte
Dystonie
dopa-responsive
Dystonie
tardive
Dystonie
Bei der Hemidystonie
sind die Muskeln einer Körperhälfte betroffen. Bei der Torsionsdystonie
kommt es zu Verdrehungen im ganzen Rumpfbereich. Sie ist sehr ähnlich
der generalisierten Dystonie, bei der Muskelverkrampfungen in vielen Bereichen
des Körpers gleichzeitig auftreten.
Rolle der Gene
Botulinumtoxin
Literatur
Lexikon A - Z
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Die Substanz | Wirkmechanismus | Therapie
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Antikörper gegen Botulinumtoxin
Botulinumtoxin
Die
Substanz
Der Name stammt aus dem Lateinischen
- botulus = Wurst und toxin = Gift. Von allen bekannten Giften ist Botulinumtoxin
das giftigste, gleichzeitig aber auch die wirksamste therapeutische Substanz.
Gebildet wird das Toxin von Bakterien (Clostridium botulinum), allerdings nur
unter Luftabschluss. Früher fanden diese Bakterien in nicht optimal konservierten
Lebensmitteln - vor allem in eingemachten Bohnen oder eben in der Wurst - hervorragende
Wachstumsbedingungen. Das führte dann zu einer als Botulismus bezeichneten
Lebensmittelvergiftung. Mit diesem historischen Hintergrund hat das in der
Dystonie-Behandlung eingesetzte Botulinumtoxin letztlich nur den Wirkmechanismus
gemein: Das Toxin läßt Muskeln für eine bestimmte Zeit erschlaffen.
Rückblickend ist es heute für die Patienten, die mit Botulinumtoxin
behandelt werden, ein großer Vorteil, dass es zu Botulismus-Erkrankungen
überhaupt gekommen ist und mitunter auch noch kommt, denn die erfolgreiche
intensivmedizische Behandlung derartiger Vergiftungsopfer hat gezeigt, dass
die Substanz zu keinen bleibenden Schäden führt.
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Wirkmechanismus
Inzwischen kennt man sieben verschiedene
Typen von Botulinumtoxin - A bis F -, von denen für die Therapie Typ A
und seit kurzem auch Typ B verwendet werden. Der Wirkmechanismus ist eine sehr
spannende Geschichte, jedoch dem Laien nicht ganz einfach zu erklären.
Eine wichtige Rolle spielen dabei beispielsweise eiweißspaltende Proteasen,
bestimmte Kopplungsprozesse und neuromuskuläre Übertragungsvorgänge. Verkürzt
dargestellt geht es um folgendes: Zunächst wird das Toxin in den Muskel
gespritzt und gelangt dann über eine Verbindungsstelle in den Nerv. Am
Nervenende verhindert Botulinumtoxin dann die Freisetzung einer für alle
Bewegungsabläufe notwendigen Substanz, das Acetylcholin. Wird dieser Überträgerstoff
(Transmitter) blockiert, erschlafft der Muskel. Da diese Blockade dem Organismus
eigentlich nicht gefällt, setzt er nach einer gewissen Zeit am Nervenende
bestimmte Mechanismen in Gang, die letztlich den ursprünglichen Zustand
wieder herstellen - das Nervenende regeneriert sich und ermöglicht dadurch
wieder die Freisetzung von Acetylcholin. Das hat zur Folge, dass der betreffende
Muskel wieder aktiv bzw. überaktiv wird.
Hier greift Botulinumtoxin
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Therapie
Die Botulinumtoxin-Behandlung
hat die Therapie von fokalen Dystonien revolutioniert. In den späten 1970er
Jahren experimentierte der Augenarzt Allan Scott in San Francisco als erster
Arzt mit der Substanz und setzte sie dann zu Beginn der 1980er Jahre zunächst
bei Kindern mit Blepharospasmus ein. Ab Mitte der 1980er Jahre begannen zunehmend
auch Neurologen Botulinumtoxin einzusetzen. Die sich laufend verlängernde
Liste der Anwendungsgebiete reicht von fokalen und zervikalen Dystonien über
den hemifazialen Spasmus, die Zerebralparese, eine übermäßige
Schweißproduktion bis hin zu Spannungskopfschmerz, Migräne und Faltenglättung.
Für den therapeutischen Erfolg gilt, dass Botulinumtoxin dort am besten
wirkt, wo es sich um einen exakt umschriebenen fokal begrenzten Bereich handelt.
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Antikörper
gegen Botulinumtoxin
Wenn ein Patient auf eine Wiederholungsinjektion
mit Botulinumtoxin nicht mehr anspricht, ist es möglich, dass sich neutralisierend
wirkende Antikörper gegen des Toxin im Organismus gebildet haben. Die
Wahrscheinlichkeit, dass es zu einer Antikörperbildung kommt, hängt
von mehreren Faktoren ab. Benötigt ein Patient nur relativ geringe Dosierungen
(z.B. beim Blepharospasmus) wird er vermutlich keine Antikörper bilden.
Patienten mit Torticollis z.B., bei denen erheblich höhere Dosierungen
eingesetzt werden müssen, liegt das Risiko bei ca. 5 Prozent. Daraus ergibt
sich für den Arzt die Konsequenz, mit einer Dosierung zu behandeln, die
gleichzeitig effektiv, aber dennoch so niedrig wie möglich ist. Eine sinnvolle
Maßnahme, einer möglichen Antikörperbildung vorzubeugen, ist
auch, die Intervalle zwischen den Behandlungen möglichst groß zu
halten. Außerdem weiß man inzwischen, dass Präparate mit einem
relativ geringen Eiweißgehalt seltener zu einer Antikörperbildung
führen als Präparate mit einem hohen Gehalt an Eiweiß. Für
ein nicht wieder erreichtes Ansprechen auf die Botulinumtoxin-Therapie kann
es jedoch auch andere Gründe geben, wie z.B. ein Fortschreiten der Krankheit
oder die Notwendigkeit, die Dosierung neu anzupassen. Eine weitere Möglichkeit,
die allerdings eigentlich nicht vorkommen sollte: bei der Injektion wurde der
überaktive Muskel nicht exakt getroffen.
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